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Rache macht müde
Du bist müde, so furchtbar müde. Eigentlich willst du nichts anderes mehr als schlafen; tief und fest und lange.
Die Rückenmassage ist angenehm. Aber etwas hätte dir sagen müssen, dass du auf irgendeine Weise dafür bezahlen musst, wenn deine Lady dir eine solche Zärtlichkeit zukommen lässt, wie sie normalerweise umgekehrt zu deinen Aufgaben bei ihr gehört.
Ihre vorhin noch so sanften Händen werden fordernder, und ihr volles Gewicht auf dir scheint schwerer zu werden. Langsam wird dir klar, sie wird sich nicht damit zufriedengeben, dich in den Schlaf massiert zu haben.
Ein Seufzen steigt in deiner Kehle hoch. Welcher Teufel dich wohl geritten hat, dich auf diesen seltsamen Pakt einzulassen? Sobald sie es will - und nicht gravierende Umstände dem entgegenstehen - darf sie über dich bestimmen. Bestimmen darf sie dabei über deinen gesamten Körper, von Kopf bis Fuß inklusive Schwanz.
Und augenscheinlich will sie gerade ...
Ein leiser Laut des Missfallens entringt sich dir. Was auch immer bei ihr los ist, du willst nicht. Ganz definitiv nicht!
Ihre Fingernägel krallen sich heftig in deine Pobacken. Es tut weh. Du schreckst hoch. Verdammt, die wunderbare Müdigkeit von vorhin ist durchbrochen, ersetzt durch eine über-reizte, ge-reizte Wachheit.
Und apropos Reiz - falls die Frau denkt, sie könnte mit einer solchen Behandlung in diesem Zustand auch noch deinen Schwanz aufwecken, dann hat sie sich verdammt getäuscht. Wenn sie unbedingt darauf besteht, soll sie halt ein bisschen mit dir spielen. Aber du wirst nicht mitspielen, sondern höchstens alles über dich ergehen lassen und warten, bis sie fertig ist und du endlich schlafen kannst.
Zum Glück ist keine Entspannung nötig; ihr habt vorhin miteinander geschlafen, ganz herkömmlich, ganz konventionell. Da war sie noch nicht in der Stimmung, dich zu beherrschen.
Ihre Fingernägel bearbeiten weiter deine nackte Haut, ziehen Streifen über deinen Rücken, kneifen ab und zu unangenehm an den Seiten, am Po oder Oberschenkel. Deine Muskeln machen sich hart.
Es ist, als ob sie darauf nur gewartet hätte. Sie beugt sich über dich. Du rechnest mit einem Kuss auf deine Schulter. Stattdessen schlägt sie ihre Zähne in dein Fleisch.
Unwillkürlich schreist du auf.
"Wirst du wohl still sein!" schimpft sie böse. "Dreh dich um!"
Sie steigt herunter von dir. Einen Augenblick überlegst du, dich zu weigern. Jetzt ist wirklich nicht der Zeitpunkt für erotische Spiele, findest du - ganz eindeutig nicht!
Auf einmal fällt dir siedend heiß dein Versäumnis ein.
Du warst so zufrieden nach dem Sex, du hast überhaupt nicht daran gedacht, dass sie nicht dabei kommst, sondern erst, wenn du sie vorher oder nachher - am besten "und" statt "oder" - ausgiebig leckst. Der Höhepunkt, der dich so schläfrig gemacht hat, der fehlt ihr also noch. Und bestimmt ist sie tierisch sauer darüber, dass du ihn ihr nicht freiwillig von selbst geschenkt hast.
Unter diesen Umständen ist es besser, du gibst nach und tust, was sie sagt. Sie kann verdammt gemein werden, wenn sie verärgert ist.
Noch bevor du dich auf den Rücken gedreht hast, hat sie die Lederfesseln aus dem Nachttischschrank hervorgekramt. Ihre Hände sind alles andere als liebevoll, als sie sie dir anlegen.
Kurz darauf bist du an Armen und Beinen an euer verspieltes Messingbett gefesselt und ihr hilflos ausgeliefert.
Schon bevor sie sich, nun umgekehrt, wieder auf dich setzt, genauer gesagt, direkt auf dein Gesicht, weiß du, was sie will. Nachholen sollst du, was du vorhin so sträflich vernachlässigt hast.
Zuerst ist in dir nichts als Unwillen und die Angst zu ersticken.
Doch zu spüren, wie feucht sie ist, wie schnell deine geschickte Zunge ihr gut tut und sie mehr und mehr die Beherrschung verlieren lässt, bis sie nicht mehr stillhalten und nicht mehr stumm bleiben kann, das gefällt dir. Es gefällt dir - und es erregt dich.
Hingebungsvoll machst du weiter, wo du so gleichgültig angefangen hast. Bis sie, sehr bald sogar, mit einem letzten lauten Stöhnen kommt und nach einer schier endlosen Zeit auf dir zusammensackt, bevor sie sich aufrafft und sich erschöpft neben dich legt, die Arme um dich geschlungen.
Inzwischen bist du so erregt, du könntest schreien vor Gier danach, dass sie deinen Schwanz anfasst. Oder sonst etwas damit anstellt. Oder wenigstens dir erlaubt, ihn zu reiben. Wärst du nicht gefesselt, du würdest ganz verstohlen versuchen, daran herumzuspielen.
Sie beugt sich über dich, küsst dich auf die Lippen, die noch nach ihr riechen und schmecken.
"Gute Nacht!" sagt sie zuckersüß, nimmt dir die Fesseln ab, verstaut sie sorgfältig wieder in der Schublade, zieht die Decke über euch beide, knipst das Licht aus und schmiegt sich an dich. So eng und so fest, obwohl deine Hände jetzt wieder frei sind, kannst du unmöglich wichsen, ohne dass sie es merkt; und das könnte einen ziemlichen Ärger bedeuten und eine Strafe, wie du sie lieber nicht riskierst. Am Ende holt sie noch die Fesseln wieder heraus und du musst ans Bett gebunden schlafen.
Na, vielleicht wird sie ja noch ein wenig aktiv. Sie befasst sich sehr gerne mit deinem Schwanz.
Nein, es sieht eher so aus, als wolle sie jetzt so schnell wie möglich einschlafen.
Das war es doch jetzt nicht etwa???
Es sieht ganz so aus.
Verdammt, verdammt, verdammt! Innerlich fluchend, versuchst du, dich zu entspannen.
Es ist schön, sie so im Arm zu halten, ganz weich und warm und nah. Auch wenn du eigentlich enttäuscht bist, und mehr als ein bisschen verärgert, spürst du, wie dein Brustkorb ganz weit wird vor Zärtlichkeit. Wie schön, dass sie da ist. Und dass sie so zufrieden und entspannt ist; auch wenn du selbst vor Ungeduld und Gier rasend werden könntest.
Auf einmal musst du lächeln. Das geschieht dir ganz recht. Jetzt liegst du so da, wie du vorhin sie in deiner Gedankenlosigkeit hast zappeln und auf den Höhepunkt warten lassen. Völlig gegen ihre Absprache, nach der ihr Höhepunkt immer wichtiger ist als deiner.
So schnell wird dir ein solches Versäumnis nicht wieder passieren.
Außerdem, morgen ist ja auch noch ein Tag ...
Online seit 03.10 2006 • 10151 Hits
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